Industrial Pipe-Möbel FAQ


Durch das einfache Verschrauben sind Möbel aus Stahlrohr und Temperguss-Fittings schnell zu bauen. Einige wissenswerte Dinge gibt es aber doch und diese möchten wir aus der Praxis mit allen Selbermacherinnen und Selbermachern teilen.

 

Falls Infos fehlen, einfach fragen, wir bauen die FAQ weiter aus.

Temperguss-Fittings und Stahlrohr

Temperguss-Fittings sind aus einem Eisenguss, der durch das Erhitzen (dem "Tempern", daher der Name) seine Eigenschaften erhält. Schwarzer Temperguss ist dabei  im Gegensatz zu weißem Temperguss nicht entkohlt. Farblich sind beide - trotz ihres Namens - fast identisch. Mehr Hintergrundinformationen zu Temperguss hat z. B. maschinenbau-wissen.de.

 

Rohrdoppelnippel und Rohrstücke sind gefertigt aus mittelschwerem geschweißtem Gewinderohr nach DIN EN 10255. 

 

Bei den silber verzinkten Temperguss-Fittings und Wasserrohren, die man z. B. im Baumarkt bekommt, handelt es sich um das grundsätzlich gleiche Material, das nach den gleichen Normen hergestellt wird. Die Verzinkung ist eine Oberflächenbeschichtung, die den Einsatz in der Wasserinstallation ermöglicht.

Generell ist der Begriff "schwarz" bei Temperguss bzw. Stahl ein Gattungsbegriff für unbeschichtete/blanke bzw. rohe Fittings und Stahlrohre. Es ist keine Farbangabe. Das ist übrigens bei allen Anbietern von "schwarzen Temperguss-Fittings" so.

 

Die Fittings und Rohre sind in einem Anthrazit-Ton, nicht in einem tiefen Schwarz. Im Laufe der Zeit wird roher Stahl/Temperguss noch dunkler, jedoch erreicht er kein tiefes Schwarz. Das Gegenteil von "schwarzen Fittings und Rohren" sind die silber verzinkten, die man aus dem Baumarkt kennt.

 

Online findet man immer wieder Fotos mit tiefschwarzen Konstruktionen. Diese sind dann lackiert. Hierfür sind die "schwarzen" Fittings- und Rohre hervorragend geeignet, da sie keine störende Oberflächenbeschichtung haben. Wichtig ist nur, sie vor dem Lackieren gründlich zu entfetten, z. B. mit Aceton oder Bremsenreiniger, damit der Lack sich mit dem Material verbinden kann.

 

 

Rohre von ilTubo haben eine sandgestrahlte, raue Oberfläche. Zum einen passt diese besser zur Struktur der Gussfittings und zum anderen werden so chargen- und herstellerbezogene Ungleichmässigkeiten der Oberflächen des Rohmaterials weitestgehend egalisiert. Auf die Verarbeitbarkeit hat das Sandstrahlen keine Auswirkungen.

Die von uns gelieferten Fittings und Rohre haben genormte Whitworth-Gewinde nach dem europäischen BSP-Standard (BSP steht für "British Standard Pipe").

 

Etwas aufpassen muss man bei Importware z. B. von chinesischen Anbietern auf den bekannten Marktplätzen, da es schon vorkommen kann, dass diese Fittings nach dem amerikanischen NPT-Standard liefern. Dieser hat ein anderes Flankendesign der Gewinde und ist somit nicht kompatibel.

 

 

Außengewinde der Rohrdoppelnippel sind kegelig (konisch) nach DIN EN 10226-1. Das ist für den Installateur super, denn dadurch verklemmen sich die Gewinde ineinander und dichten metallisch ab. Für den Möbelbauer bedeutet das, dass man zwar absolut ausreichendes, aber nicht unendliches Spiel beim Zusammenschrauben hat (im Gegensatz z. B. zu Gewindeschrauben, die ein zylindrisches Gewinde haben). Vorteil der konischen Gewinde für den Möbelbau: Durch das Verkanten wird die Konstruktion ohne weitere Hilfsmittel stabil.

Download
Abmessungen der gebräuchlichsten Fittings
Bemassung_Tempergussfittings_HS_v0315.pd
Adobe Acrobat Dokument 1.9 MB
  Nennweite Äußerer Ø Innerer Ø 
Wandstärke Gewicht
 1/2" DN 15 21,3 mm ca. 16,0 mm 2,65 mm 1,23 kg/Meter
3/4" DN 20 26,9 mm ca. 21,6 mm 2,65 mm  1,59 kg/Meter

Möbel aus Temperguss Fittings und Stahlrohr selber bauen

Außer Bohrmaschine, Bohrer und Schraubendreher für die Befestigung nicht unbedingt.

 

Bei Konstruktionen, bei denen es auf sehr genaues Ausrichten ankommt, kann eine Drahtbürste zum Reinigen der Außengewinde und eine Fittingbürste zum Reinigen der Innengewinde nützlich sein. Damit lassen sich Verunreinigungen und Grate aus dem Produktionsprozess, die trotz aller Sorgfalt nicht völlig auszuschließen sind, entfernen.

 

Sollen Rohre mehr als handfest verschraubt werden (handfest reicht für die meisten Fälle), dann ist eine Wasserpumpenzange oder eine Siphonzange hilfreich. Dann bitte ein doppeltes Handtuch oder ähnliches unterlegen, damit die Oberflächen nicht verkratzen.

Handfest angezogen circa 11 - 12 mm, mit Kraft und Werkzeug noch etwas mehr. Durch die konische Form der Gewinde werden bei normgerechten Gewinden aber zwei bis drei Gewindegänge sichtbar bleiben.

Für die Längenberechnung wichtig: Ein Gewinde (die Längen der Rohrdoppelnippel sind immer inklusive Gewinde) lässt sich ca. 11-12 mm (+/-) handfest eindrehen. Durch die konische Form der Gewinde und aufgrund von minimalen Fertigungstoleranzen können das auch mal ein/zwei Millimeter mehr oder weniger sein, das ist keine millimetergenaue Wissenschaft. Flansche können Sie dabei außen vor lassen, die Rohrdoppelnippel lassen sich in der Regel annähernd komplett einschrauben.
 
Um kurz auf das Rechenbeispiel zurück zu kommen: Zwei 200 mm Rohrdoppelnippel in 3/4" verbunden mit einer Muffe Nr. 270 ergeben circa 415 - 417 mm, verbindet man sie mit einem T-Stück Nr. 130, dann kommt man auf ca. 442 - 444 mm.
Die Abmessungen der wichtigsten Fittings sind oben in dieser FAQ im Punkt "Wie sind die Abmessungen der Temperguss-Fittings?" in einem Download-Dokument zu finden.

Ergibt sich konstruktionsbedingt ein geschlossener Rohrkreis, auch über Eck, dann werden spezielle Fittings benötigt. Warum ist das so: Das letzte Gewinde dreht in die falsche Richtung. Dreht man bei feststehenden Fittings links ein, dreht man rechts automatisch heraus.

 

Abhilfe ist auf drei verschiedene Arten möglich. Am einfachsten klappt es mit Verschraubungen (Fittings Nr. 95, 330, 331) oder über unser Kreis-Kit. Die Verschraubungen sind einfach zu montieren (zwei Aufschraubteile mit passender Überwurfmutter), optisch aber etwas wuchtiger. Möchte man das nicht (letztlich eine Design- oder Brettauflege-Frage), dann kommt unser spezielles Kreis-Kit zum Einsatz. Das passt sich optisch und von den Höhen den restlichen Fittings an, ist aber etwas schwieriger (aber trotzdem gut machbar ;-) zu montieren. Wir empfehlen, dabei symmetrisch vorzugehen. Das macht sowohl Längenberechnung als auch Montage leichter.

 

Dritte Möglichkeit: Ein Schlosser kann mit speziellen Schneidköpfen ein Linksgewinde auf ein Rohr schneiden, welches dann mit einer speziellen Rechts-Links-Muffe verschraubt werden kann (bei Bedarf können wir Ihnen diese R/L-Muffen ab Lager liefern).

 

 

Eine vierte Variante sieht man ab und an in amerikanischen Youtube-Videos. Dort wird zunächst in die eine Richtung eingedreht, dann das ganze verspannt und schließlich das Rohr so zurück gedreht, dass es sich dabei in den anderen Fitting eindreht. Das klappt allerdings mit der konischen europäischen Gewindenorm so nicht bzw. führt dazu, dass das Ganze wackelig wird. Wir empfehlen das daher nicht.

Ordentlich handfest angezogen reicht für die meisten Fälle, da sich das konische Außengewinde im Innengewinde verkantet.

 

Bei besonderen Anforderungen an die Stabilität oder bei Kräften in Aufdrehrichtung der Gewinde kann das Verkleben trotzdem erforderlich sein. Bei fest angezogenen Gewinden ist eine Schraubensicherung für Gewinde bis M36 gut geeignet.

 

Ist eine noch höhere Spaltüberbrückung notwendig, etwa weil eine Verschraubung durch Justage oder bei Wand-zu-Wand-Konstruktionen geringfügig wackelig wird, dann kann entweder ein Epoxy-Kleber oder ein MSP-Montagekleber zum Einsatz kommen. Tipp: Bei Verwendung von Montagekleber bitte darauf achten, dass dieser mit zwei nicht-saugenden Oberflächen zurecht kommt (das ist z. B. bei Glaskleber der Fall), da er sonst nicht fest wird.

Tatsächlich hat z. B. ein 1/2"-Rohr einen Außendurchmesser von 2,13 cm und nicht von 1,27 cm. Wie kommt dieser Widerspruch? Er ist historisch bedingt. Im 19. Jahrhundert, als Fittings und Rohre genormt wurden, wurde der Innendurchmesser als bestimmendes Maß genommen, da bei Rohren der Durchfluss wichtig ist.  Für ein 1"-Rohr wurde so ein Innendurchmesser von 2,54 cm festgelegt. Der Außendurchmesser war dann entsprechend, so dass mit den damaligen Qualitäten und Verarbeitungsmöglichkeiten die notwendige Stabilität und Haltbarkeit gegeben war.

 

Nun wurden im Laufe der Zeit Stahlqualität und Verarbeitungsgenauigkeit immer besser, was zu geringeren Wandstärken geführt hat. Damit die Passung im System weiterhin gegeben ist, wurde nun mit abnehmender Wandstärke der Rohre trotzdem der Außendurchmesser beibehalten. Durch die Rohre passt also heute mehr durch als damals.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Damals wie heute braucht man einen 22 mm Bohrer, um ein 1/2" Rohr irgendwo durchzuführen und einen 27 oder 28 mm Bohrer für 3/4"-Rohre. Da das keine gewöhnlichen Größen sind, gibt’s bei uns die passenden Forstnerbohrer für Holz.

Reinigung und Pflege

Beim Zusammenbau, ja :-). Die Fittings und Rohrdoppelnippel sind für den Versand- und Seeweg mit einem temporären Rostschutz versehen. Auch unsere Rohre haben deshalb einen feinen Ölfilm. Dieser Schutz lässt sich mit einem fusselfreien Tuch entfernen. Bitte nicht mit korrosiven (wasserhaltigen) Reinigern rangehen. Geeignete Reinigungsmittel sind z. B. Aceton, Isopropanol oder Bremsenreiniger

Vermeiden Sie unbedingt korrosive und wasserhaltige Reinigungsmittel. Für die normale Reinigung ist ein fusselfreier Lappen völlig ausreichend. Für eine anfängliche Grundreinigung empfehlen wir z. B. Bremsenreiniger, Aceton oder Isopropanol aus der Apotheke.

Im Innenbereich ist ein spezieller Schutz nicht zwingend erforderlich, er schadet aber auch nicht. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, wenn die Möbel mit Feuchtigkeit oder Wasserdampf in Kontakt kommen, z. B. in Bad oder Küche, oder bei häufigem Hautkontakt (Stichwort Handschweiß) empfehlen wir einen Schutz.

 

Einfach anzuwenden und natürlich ist Leinöl-Firnis. Leinöl ist ein trocknendes Öl und Bestandteil vieler Naturfarben, nicht nur für Holz. Hauchdünn mit einem fusselfreien Lappen aufgetragen bildet es nach ein, zwei Tagen Trocknungszeit eine dünne, nicht sichtbare Schutzschicht. Wichtig ist, das Leinöl-Firnis wirklich dünn aufzutragen. Der Schutz mit Leinöl-Firnis lässt sich bei Bedarf einfach und mit wenig Aufwand auffrischen. Bitte Verarbeitungshinweise auf dem Produkt beachten.

 

Alternativ eignet sich Klarlack. Im Vergleich zu Leinöl-Firnis ist er stabiler, aber auch aufwändiger aufzubringen. Schuhregale beispielsweise, die auch mal mit nassen Straßenschuhen und Steinchen in den Sohlen in Kontakt kommen, würden wir mit einem Klarlack behandeln.

 

Nicht empfehlen können wir - für diesen Zweck - verschiedene technische Sprays wie WD40, Silikonspray oder auch Ballistol. Diese bilden einen nicht trocknenden Film, der sich abwischt bzw. verflüchtigt. Und möchte man einen solchen Schmierfilm an Möbeln und in Garderoben haben?

Nach dem ersten Regenguss werden Möbel aus blankem Stahl und schwarzem Temperguss zu rosten beginnen. Möchte man das nicht, kann man die Möbel mit einem Klarlack (oder natürlich jeder anderen Lackfarbe) in mehreren Schichten lackieren. Wichtig ist das vorherige gründliche Entfetten mit einem zum Lack passenden Entfetter (Herstellerangaben beachten). Besondere Sorgfalt ist auf die Verschraubungen zu legen, besonders wenn dort Wasser stehen kann.


Industrial Pipe DIY FAQ, v 1.3a_0617

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